Wendelinuskapelle



Quelle: Rügen Leicht
Die Kapelle St. Wendelin liegt auf der Höhe zwischen Neuhausen und Steinegg. Von hier hat man einen schönen Rundblick über weite Teile des Biets, das Gäu und den Nordschwarzwald.
Ihren Ursprung hat die Kapelle im Jahr 1683 als eine Vorgängerkapelle an diesem Ort errichtet worden war, die aber bereits 1723 durch die jetzige Kapelle ersetzt werden musste. Den Auftrag dazu gab Karl Dietrich d. J. von Gemmingen. Die Freiherren von Gemmingen waren das Herrschergeschlecht des Biets, zu dem die Orte Tiefenbronn, Mühlhausen, Lehningen, Neuhausen, Steinegg, Hamberg, Schellbronn und Hohenwart gehörten und auch heute als katholische Kirchengemeinde Biet zusammengehören.
Die Wendelinuskapelle wird heute als gemeinsamer Identifikationspunkt im Biet verstanden und ist das ganze Jahr über 24 Stunden geöffnet. Am Fest Christi Himmelfahrt gibt es eine Sternprozession zur Wendelinuskapelle.
Der heilige Wendelin (um 554 – 617) war ein schottischer Königssohn. Er verzichtet auf Macht und Reichtum, begab sich auf Pilgerschaft und lebte schließlich als Einsiedler im Bistum Trier. Als Abt des Klosters Tholey starb er im Jahr 617 und wurde in dem Ort St. Wendel bestattet. Er gilt als Patron der Landwirte und des Viehs. Das Bild unter dem Altar zeigt Jesus als den guten Hirten.
Im Jahr 1761 bemühte sich Dekan Rösner, die Kapelle als Wallfahrtsort aufzuwerten. Sein Ansinnen, an die Kapelle eine Wohnung für einen Einsiedler anzubauen, wurde allerdings nicht genehmigt.
Er gab dennoch beim Weil der Städter Maler Anton Schöninger 14 Kreuzwegstationen in Auftrag. Am 21. September wird der Kreuzweg in einer feierlichen Prozession von 14 Ministranten von der Kirche St. Urban & Vitus in Neuhausen nach St. Wendel getragen. Johann Dietrich von Gemmingen, neun Geistliche und viele Gläubige aus der ganzen Umgebung begleiteten die Prozession. Ein Priester trug die Kreuzreliquie aus dem Steinegger Schloss und der Kapuzinerpater Ivo aus Weil der Stadt weihte die Kreuzstationen.
Die Kreuzreliquie wurde dann im Jahre 1775 von Johann Dietrich von Gemmingen zusammen mit einem Monstranz-Reliquiar zur Belebung der Heilig Kreuz – Wallfahrt in Hohenwart gestiftet.
Im Jahr 1753 unternahm der Augustinerpater Andreas Bachi eine groß angelegte Aktion zur Verbreitung des Gnadenbildes der Mutter Gottes vom Guten Rat. Dekan Rösner griff diese Bewegung auf und ließ das Bild in dem schönem Rokokorahmen nach St. Wendel bringen.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Wallfahrtsbewegungen stark eingeschränkt. Die politischen Umwälzungen mit dem Ende des alten Reiches im Jahr 1806 und dem Weggang der Freiherren von Gemmingen wirkten sich auch auf das Leben der Kirchengemeinde aus. In dieser Zeit des Umbruchs und der Vernachlässigung war auch der Dachreiter abgebrochen worden.
Erst nach dem Ende der Weltwirtschaftskrise ging man unter Dekan Lorenz Gehrig an eine gründlicher Erneuerung. Die Decke erhielt im Zuge dieser Maßnahme ein Deckengemälde nach dem Entwurf von Peter Valentin aus Offenburg. Es trug den Titel ‚Weltentsagung des heiligen Wendelin‘. ‚Der Heilige Geist wird ihn auf seinem dornenreichen Lebenspfad erleuchten und ihn (...) die rechte Entscheidung treffen lassen. In der Ferne erblickt er Schafe, die er später hüten wird. Das Dorf Neuhausen mit der Wendelinuskapelle ist zur weiteren Ausschmückung und Belebung in die Komposition eingefügt.‘
Am Ende des 2. Weltkriegs erlitt die Kapelle schwere Beschädigungen. In der Decke klaffte ein großes Loch und das Deckenbild war weitgehend zerstört. Die Kapelle war fortan meistens verschlossen.
Zu Beginn der 1960er Jahren beschloss Pfarrer Alois Weber die Wendelinuskapelle im Geiste Schönstatts zu erneuern. Die Schönstattbewegung war 1914 als Liebesbündnis mit Maria von Pater Josef Kentenich gegründet worden. Ein Palottinerpater schenkte ihm ein Bild Mariens des Malers Luigi Crosio, das nun zum Gnadenbild wurde. Es steht in der Tradition des Bildes der Mutter Gottes vom Guten Rat. Die Bezeichnung ‚Dreimal wunderbare Mutter‘ (Mater ter admirabilis) stammt von einem Ingoldstädter Jesuitenpater, der im 17. Jahrhundert die Marienverehrung förderte.
Die Umgestaltung des Barockaltars orientierte sich am Aussehen des Schönstätter Urheiligtums, das Marienbild stiftete eine Neuhausener Familie. Der Bildhauer Huber aus Oberkirch schuf den neubarocken Tabernakel und die Bildumrandung mit der Rosengirlande.
Die neuen Glasfenster von dem Künstler Franz Dewald aus Karlsruhe-Grötzingen nehmen Bezug zum Leben Mariens (Verkündigung, Geburt und Tod Jesu, Pfingsten)
Von 2007 – 2010 waren erneut umfangreiche Restaurierungsarbeiten notwendig. Im Jahr 2010 wurde schließlich der Dachreiter, der etwa 100 Jahre davor einer ‚Notoperation‘ zum Opfer gefallen war wieder neu errichtet, nachdem zuvor der Dachstuhl erneuert worden war.
So haben wir heute einen Ort der Besinnung und der Begegnung, der nur durch vielfältiges Engagement so erhalten und offen gehalten werden kann.





